
- Sandman Deluxe – Präludien & Notturni
von Neil Gaiman und diversen Illustratoren
9 Bände, Panini, 252 Seiten, Hardcover, 29,90
ISBN 9783741605215
Man kann ja wieder mal den Panini Verlag nicht genug loben, dafür, dass er lange vergriffenes Vertigo Material wieder in hochwertigen Ausgaben veröffentlicht und diese auch lieferbar hält. Eine TV Serie des Comics hilft dabei natürlich auch, da sie in der Regel die Verkäufe der Bücher boostet. Aus diesem Grund und weil es einfach geiles Zeug ist, leg ich Euch mal drei der für mich stärksten Werke aus dem berühmten "Vertigo" Universum an Herz.
Wenn ihr euch auch für phantastische Literatur interessiert und Lust auf eine tiefgründige, visuell beeindruckende und literarisch anspruchsvolle Serie im Medium Comic habt, dann ist "Sandman" von Neil Gaiman ein absolutes Muss.
Gaiman verbindet Mythen, Märchen, moderne Fantasy und historische Eindrücke. Dabei nutzt er moderne und zeitlose Erzählkunst. Als Meister unterschiedlicher Medien schafft er mit Sandman eine Comic-Reihe, die sich über alle Genregrenzen hinwegsetzt.
Die Hauptfigur ist Dream (auch bekannt als Morpheus oder der namensgebende Sandman), einer der „Ewigen“, mächtiger denn Götter. Dream verkörpert die Träume und Geschichten. Dream ist ein komplexer, oft melancholischer Charakter, der sich immer wieder mit seiner Existenz und seiner Verantwortung auseinandersetzt. Im Laufe der Serie wird deutlich, dass er nicht unfehlbar ist – er begeht Fehler, ist grausam, verletzlich und genau das macht ihn so faszinierend. Dream ist einer der "Ewigen" ein Überwesen, aber dennoch voll menschlicher Schwächen und Fehler.
In den Reihen der "Ewigen" findet man auch seine ältere Schwester Death. Sicher nicht nur mein Lieblingscharakter. Death ist kein archetypischer Sensenmann – sie ist lebensnah, verständnisvoll, fast liebevoll. Mit ihrem tiefen Verständnis und der daraus geborenen Weisheit ist sie es immer wieder, die ihrem Bruder den rechten Weg weist. Auch die anderen "Ewigen", wie Desire, das pure Verlangen, oder Delirium, die verwirrte und kindliche Schwester, spiegeln auf subtile Weise menschliche Emotionen und Erfahrungen.
Neil Gaiman ist immer ein außergewöhnlicher Erzähler. Er bringt seine umfangreiche Kenntnis von Mythologie, Literatur und Geschichte in jede Seite von Sandman ein. Gaiman schafft es, eine fast schon literarische Erzählweise zu entwickeln, die tiefgründige philosophische Fragen behandelt, ohne dabei belehrend zu wirken. Seine Liebe zu Geschichten und deren wunderbarer Macht manifestiert sich auf jeder Seite. Dadurch ist Sandman nicht nur eine Serie über die Inkarnation der Träume und seine Geschwister, sondern nimmt rekursiv Bezug auf die Kraft der Geschichte selbst.
Die Zeichnungen in Sandman variieren stark, da verschiedene Künstler an den einzelnen Kapiteln gearbeitet haben. Das gibt der Serie eine außergewöhnliche visuelle Vielfalt. Zeichner wie Sam Kieth, Mike Dringenberg und Jill Thompson bringen jeweils ihren eigenen Stil ein und passen sich den unterschiedlichen Stimmungen und Themen der Episoden an. Sam Kieths bizarr-verzerrte Panels etwa fangen den surrealen, fast unheimlichen Ton der ersten Ausgaben ein, während Jill Thompsons klarere und emotionalere Linien die Charaktertiefe in späteren Geschichten unterstreichen. Diese künstlerische Vielfalt passt perfekt zu Gaimans Erzählweise, die von Horror über Fantasy bis zu philosophischen Erzählungen reicht.
Und als I Tüpfelchen gibt es noch die Titelbilder von Dave McKean obendrauf. McKeans einzigartige Mischung aus Collage, Malerei und Grafikdesign macht die Cover zu Kunstwerken für sich. Die surrealen, oft verstörenden, aber auch wunderschönen Cover fangen die Essenz der Geschichten perfekt ein. Die Synthese dieser einzelnen Teile bildet ein gewaltiges, unvergessliches Gesamtwerk.
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